VWL Mikroökonomie Vollkommener Wettbewerb Verzögerte Reaktion (Cobweb)

Verzögerte Reaktion (Cobweb)

Wenn die Anbieter auf einem Markt erst mit einer zeitlichen Verzögerung auf die Nachfrager reagieren können, dann wird nicht unbedingt das Marktgleichgewicht erreicht.

Beginnen wir diese Betrachtung bei dem mit "Anfang" gekennzeichneten Punkt auf der Angebotskurve: Die Anbieter haben aufgrund ihrer Erwartungen die angebotene Menge produziert. Die Nachfrager drücken aufgrund der hohen produzierten Menge den Preis (vertikale Strecke, Schnittpunkt mit Nachfragekurve). Bei diesem geringen Preis lohnt es sich nur für wenige Anbieter noch zu produzieren (horizontale Strecke). Diesem Angebot entsprechend treibt die Nachfrage den Preis wieder nach oben (vertikale Strecke), was wiederum die Anbieter zur Produktion veranlasst (horizontale Strecke) usw.

Obwohl diese Handlungsabfolge zwischen Nachfragern und Anbietern dem Prinzip nach immer gleich ist, kann dies unterschiedliche Ergebnisse zur Folge haben: Entweder pendelt sich das Marktgleichgewicht am Schnittpunkt zwischen Nachfrage- und Angebotskurve ein, oder es kommt überhaupt kein Gleichgewicht zustande. Entscheidend für das Ergebnis ist die Steigung. der Nachfrage- und Angebotsfunktion: Verläuft die Angebotskurve steiler als die Nachfragekurve, so pendelt sich ein Gleichgewicht ein. Ist sie jedoch flacher, entsteht kein Gleichgewicht, man spricht von einer "Explosion" des Systems. Durch Veränderung der Nachfrage- und Angebotskurve in der obigen Abbildung lässt sich dieser Sachverhalt anschaulich darstellen.

Eine wichtige Annahme für diese modellhafte Darstellung besteht darin, dass in der Zeit der Handlungsabfolge zwischen Nachfragern und Anbietern keine Lernprozesse stattfinden. Denn würden die Anbieter aus bereits durchlaufenen Cobweb-Abläufen lernen, dass nämlich bei gegebener Stabilitätsbedingung sich nach einer gewissen Zeit ein Gleichgewicht einpendelt, so würden sie ihren Preis nicht der zum jeweiligen Zeitpunkt herrschenden Marktsituation anpassen, gleich näher am erwarteten Gleichgewicht ausrichten. Grafisch dargestellt würde die Vertikale in Richtung Angebotskurve nicht bis zum Schnittpunkt der Angebotskurve reichen, sondern im rechten Winkel bereits vorher abknicken. Bei gegebener Stabilitätsbedingung würde so das Gleichgewicht schneller erreicht werden, und liegt die Angebotskurve betragsmässig flacher vor, so würde die Explosion abgebremst werden oder sich das Gleichgewicht trotzdem langsam einfinden.

Bei Märkten, bei denen es nicht zum Gleichgewicht kommt, spricht man oft vom sogenannten Schweinezyklus. Dies ist häufig dann der Fall, wenn die Produktionszeit recht lange ist, d.h. zwischen der Produktionsentscheidung und dem Verkauf ein großer Zeitraum liegt. Ein typisches Beispiel ist der Ausbildungs- bzw. Arbeitsmarkt. Die Entscheidung für eine bestimmte Ausbildung ist oft von der aktuellen Bedarfslage auf dem Arbeitmarkt bestimmt und führt einige Jahre später häufig zu einem Überangebot an Arbeitskräften.