VWL Makroökonomie Monetäre Aussenwirtschaftslehre Erhebung eines Importzolls in einem kleinen Land

Erhebung eines Importzolls in einem kleinen Land

Im Gegensatz zu einem großen Land wirkt sich ein Zoll, der von einem kleinen Land erhoben wird, nicht auf den Exportpreis des anderen Landes (Weltmarkt) aus. Ein kleines Land ist durch ein geringes Angebot und eine geringe Nachfrage relativ zum Weltangebot und zur Weltnachfrage gekennzeichnet. Es hat keinerlei Auswirkungen auf den Weltmarktpreis.

Infolgedessen muss der Zoll komplett vom erhebenden Land getragen werden. Es findet keine Zollüberwälzung statt. Als neuer Preis im Inland stellt sich Pzm = Pz0 + Zollhöhe ein. Diesen Preis müssen die Konsumenten im betrachteten Land generell bezahlen – egal, ob das Gut importiert ist oder im eigenen Land hergestellt wird. Durch den höheren Preis steigt die Marge der im Inland produzierten Güter. Die Produzentenrente erhöht sich um die orange Fläche, da die Produzenten zum einen eine grössere Menge absetzen können und zum anderen einen höheren Preis pro abgesetzte Mengeneinheit erzielen. Aufgrund des höheren Preises fragen die Konsumenten weniger nach und erleiden insgesamt einen Verlust an Konsumentenrente in Höhe der Flächen orange+violett+lila. Der Staat bekommt pro importierter Mengeneinheit die Zollhöhe pro Mengeneinheit und erzielt somit einen Gewinn in Höhe der violetten Fläche (wobei sich die lila und violetten Flächen auf dem Inlands- und Weltmarkt entsprechen). Die Zolleinnahmen ergeben sich aus der importierten Menge multipliziert mit dem Zoll pro Mengeneinheit.

Um den Nettowohlfahrtseffekt herauszufinden, werden Gewinne und Verluste der Marktteilnehmer gegeneinander aufgerechnet:

Produzentengewinn + staatlicher Einnahmenszuwachs – Konsumentenverlust = orange + violett – (orange + lila + violett) = - lila

Erhebt also ein kleines Land einen Zoll, so erleidet es immer einen Nettowohlfahrtsverlust. Dieser wird in Land A durch die lila Flächen abgebildet und ist auch auf dem Weltmarkt durch die lila Fläche wiedergegeben. Er entsteht durch das Ausscheiden von Konsumenten aus dem Markt, welches nicht durch Zolleinnahmen kompensiert wird. Verändert man die Zollhöhe ändert sich die Wohlfahrt aller Beteiligten, was sich durch eine Vergrösserung oder Verkleinerung der betrachteten Flächen zeigt. Je höher der Zoll ist, desto grösser ist der Nettowohlfahrstverlust.

Erhebt ein kleines Exportland einen Exportzoll so ergeben sich die analogen Effekte. Der Zoll kann nicht überwälzt werden, so dass sich als neuer Inlandspreis der um den Zoll verringerte Weltmarktpreis einstellt und das Land immer einen Nettowohlfahrstverlust erleidet.