VWL Makroökonomie Monetäre Aussenwirtschaftslehre Erhebung eines Zolles (grosses Land)

Erhebung eines Zolles (grosses Land)

Um die Wirkungen eines Zolls auf den internationalen Handel zu erläutern, werden zunächst wie beim Einführungsbeispiel zu internationalem Handel drei verschiedene Märkte betrachtet: ein Importmarkt, Land A, ein Exportmarkt, Land B, und der Weltmarkt. Es spielt für unsere Zwecke dabei keine Rolle, ob es sich um einen Mengen- oder Wertzoll handelt.

Gibt es freien Handel, so stellt sich auf dem Weltmarkt der Gleichgewichtspreis von Pz0 (Punkt 1) ein. Dieser gilt sowohl für Land A als auch für Land B (siehe obige Abbildung).

Wird auf das Gut, das von Land A importiert und von Land B exportiert wird ein Zoll erhoben, so ergeben sich für die Länder unterschiedliche Preise. Es ist dabei unerheblich, ob es sich um einen Importzoll, beispielsweise um die inländischen Produzenten zu schützen, oder einen Exportzoll, beispielsweise um die Preise für die Konsumenten niedrig zu halten, handelt.

Die Differenz der Preise in den beiden Ländern entspricht genau dem Betrag des Zolls, da ansonsten die Märkte nicht im Gleichgewicht wären. Die Anbieter aus Land B sind erst zum Transport des gehandelten Gutes bereit, wenn der Nettoerlös aus dem Export des Gutes dem Erlös bei einem Verkauf im Inland deckt, d.h. wenn der Preis von Land A den von Land B um mindestens die Höhe des Zolls übersteigt. Der Zoll wirkt somit auf das exportierende Land wie Transportkosten. Beispiel: Für ein Kilo Bananen wird von Land A ein Importzoll von 1 Fr. erhoben. Land B ist somit nur zum Transport der Bananen bereit, wenn der Preis für ein Kilo Bananen in Land A mindestens um 1 Fr. höher ist als der von Land B.

Der Keil, den der Zoll zwischen die Preise in beiden Ländern treibt, wirkt auf die Märkte in beiden Ländern unabhängig davon, wo der Zoll erhoben wird. Da wir ein Zweiländermodell betrachten, muss die Importnachfrage des einen Landes dem Exportangebot des anderen Landes entsprechen. Der Zoll verteuert das Gut für Konsumenten in Land A, wodurch die nachgefragte Menge zurückgeht. Gleichzeitig steigt die in A selbst produzierte Menge an, so dass insgesamt die Importnachfrage sinkt. Dies hat auch Auswirkungen auf das Exportland B. Der Rückgang der Nachfrage auf dem Weltmarkt zwingt die Produzenten in B durch Preissenkungen mehr im Inland abzusetzen. Die niedrigeren Preise reduzieren auch die Anreize zur Produktion und sorgen für einen Rückgang der in B produzierten Menge. Es stellt sich ein neues Gleichgewicht ein, bei dem sich die Importmenge von A und die Exportmenge von B entsprechen und die Preisdifferenz zwischen den Ländern gleich der Zollhöhe ist. Im Fall eines Importzolls darf dieser also nicht einfach zum Weltmarktpreis addiert werden, um den neuen Preis im Importland zu erhalten, da ein Teil des Zolls auf das Exportland überwälzt wird. Entsprechendes gilt für einen Exportzoll. Dies ist anders, wenn ein kleines Land auf dem Weltmarkt betrachtet wird.

Ein Zoll führt somit zu einem Rückgang der Ex-/Importmenge und zu einer Annäherung an das Gleichgewicht im Autarkiefall. Die Preissteigerung in A drückt sich in einem Rückgang der Importnachfrage (von Punkt 1 nach Punkt 2) auf dem Weltmarkt aus.

In Land B hat der Zoll einen genau gegenläufigen Effekt auf den Preis. Er sinkt, wodurch das Angebot zurückgeht und die Nachfrage sich in Land B erhöht. Auf dem Weltmarkt schlägt sich diese Veränderung in einem sinkenden Exportangebot nieder. Das Exportvolumen sinkt.

Der Zoll führt folglich zu einem geringeren Handelsvolumen als bei Freihandel. Je höher die Zollhöhe ist, desto höher ist die Differenz zwischen den Preisen der beteiligten Länder und desto niedriger ist das Handelsvolumen.

Insgesamt entstehen dem Staat Zolleinnahmen in Höhe der orangen Fläche, d.h. Menge der ex- bzw. importierten Güter multipliziert mit der Zollhöhe.

Die Effekt eines Zolls sind dann maximal, wenn die Zollhöhe der Differenz der Autarkiepreise von Land A und B entspricht. Dieser so genannte Prohibitivzoll wirkt auf das Handelsvolumen wie ein Importverbot. Freihandel wird verhindert.